Noch bis vor einigen Jahren hat man die Mitglieder der Familie der Erebidae zur Familie der Eulenfalter (Noctuidae) gezählt, sie waren eine Eulenfalter-Unterfamilie. Doch inzwischen hat man die Erebidae separiert und zu einer eigenständigen Familie erklärt. Nicht nur in den Tropen, sondern auch in anderen Teilen der Welt kommen Vertreter der Erebidae vor. Doch in jenen warmen Gegenden sind besonders viele Arten vertreten. In Venezuela konnte ich eine Reihe von Vertretern dieser Familie beobachten und fotografieren; sie werden in diesem Kapitel präsentiert.

Ascalapha odorata (Black Witch)

Zu den bemerkenswertesten und größten Faltern, die ich in Venezuela beobachtet habe, gehört Ascalapha odorata. Diese nachtaktiven Tiere haben einen Flügelspannweite von 16 Zentimetern. Anhand ihres Aussehens lassen sich die beiden Geschlechter dieser Tiere gut unterscheiden. Während die Männchen auf der Oberseite ihrer Flügel sehr dunkel gefärbt sind und nur ein wenig kontrastreiches Muster aus schwarzen Bögen und einigen dunkelblauen Flecken aufweisen, sind die Flügel der Weibchen auf der Oberseite hellbraun gefärbt. Auf den Vorder- und Hinterflügeln verlaufen bei ihnen weiße Diagonalstreifen, an die sich im hinteren Flügelbereich ein hell violett gefärbter Bereich anschließt. Außerdem befinden sich auf beiden Flügelpaaren gelbliche, violette und schwarze Flecken und Bögen. Diese Tiere leben in Regen- und Nebelwäldern. Die Säfte überreifer Früchte bilden ihre Nahrung. Das Verbreitungsgebiet dieser Art ist sehr groß. Die Art wird regelmäßig in weiten Teilen der USA beobachtet, darüber hinaus in Zentralamerika, auf karibischen Inseln und im nördlichen Südamerika bis nach Brasilien.

Chetone angulosa

Mit ihrer Flügelspannweite von 75 Millimeter sind Falter der Art Chetone angulosa recht groß. Diese Tiere sind vor allem nachts aktiv. Schwarz ist die Grundfarbe der Oberseite beider Flügelpaare. Auf den Vorder- und Hinterflügeln gibt es charakteristische Muster aus kräftig orange gefärbten Bereichen. Darüber hinaus zieren unterschiedlich große gelbe Flecken die Flügel. Auf den Vorderflügeln tragen diese Tiere mehr gelbe Flecken als auf den Hinterflügeln. Kleine gelbliche bis hell orange gefärbte Flecken bedecken den schwarzen Brustteil auf der Oberseite, der Hinterleib ist bräunlich-orange gefärbt. Das Verbreitungsgebiet dieser Falterart erstreckt sich von Belize aus über Mittelamerika bis in den Norden des südamerikanischen Kontinents, wo die Tiere unter anderem in Venezuela vorkommen.

Eulepidotis addens

Während der Nacht ist die Falterart Eulepidotis addens aktiv, am Tage ruhen diese Tiere. Ich schätze ihre Flügelspannweite auf etwa 20 bis 25 Millimeter. Auf der Oberseite sind die Vorderflügel graubraun gefärbt. auf ihnen befinden sich je drei diagonal verlaufende, bronzefarbene Bänder, die sehr schmal sind. Das obere Band wird im oberen Bereich von einem feinen, dunkelbraunen Streifen gesäumt, das mittlere und das untere Band weisen beidseitig entsprechend gefärbte Einfassungen auf. Die Hinterflügel sind auf der Oberseite graubraun gefärbt und sie tragen einen weißlichen Fleck sowie einen kleinen Zipfel im hinteren Bereich, vor dem sich ein kleiner, dunkler Fleck befindet. Recht groß ist das Verbreitungsgebiet dieser Spezies. Es reicht von Mexiko über Zentralamerika bis nach Venezuela und Brasilien. Auf vielen karibischen Inseln ist die Art ebenfalls heimisch und sogar in Texas, USA, hat man sie bereits beobachtet.

Eulepidotis alabastraria

In den gängigen Literaturquellen lassen sich über die Falterart Eulepidotis alabastraria leider praktisch keine Informationen finden. Ich schätze die Flügelspannweite dieser Tiere auf circa 20 bis 25 Millimeter. Dies entspricht der Größe der Individuen, die ich beobachtet habe. Sowohl die Vorder- als auch die Hinterflügel sind cremeweiß bis weiß gefärbt. Auf den Vorderflügeln tragen die Tiere zwei feine, aus Bögen bestehende Bänder, die hellbraun gefärbt sind. Auch der Saum der Vorderflügel ist entsprechend gefärbt. Zwischen dem Saum und dem darüber liegenden hellbraunen Band verläuft ein aus etwas breiteren Bögen bestehender, blasser grauer Streif. Zudem gibt es einige wenige dunkle Punkte auf den Vorderflügeln. die Hinterflügel sind nur in einem kleinen Teilbereich bräunlich gesäumt. Der Kopf ist braun gefärbt. Eulepidotis alabastraria ist nachtaktiv. Das Verbreitungsgebiet dieser Tiere reicht von den südlichen USA über Zentralamerika bis ins nördliche Südamerika.

Eulepidotis argyritis

Zu den nachtaktiven Falterarten, die man in Venezuela beobachten kann, gehört Eulepidotis argyritis. Das Verbreitungsgebiet dieser Spezies erstreckt sich über weite Teile Südamerikas. Auf circa 20 bis 25 Millimeter schätze ich die Flügelspannweite dieser Tiere. Leider sind in den gängigen Literaturquellen keine detaillierten Angaben über diese Spezies zu finden. Beim Identifizieren von Eulepidotis argyritis muss man sehr genau hinschauen, denn es gibt einige recht ähnlich aussehende Arten, die sich nur in winzigen Details von dieser Art unterscheiden, so zum Beispiel Eulepidotis dominicata. Ein wichtiges Erkennungsmerkmal ist, dass der Saum der Vorderflügel nur etwa im äußeren Drittel braun gefärbt ist, der Rest ist weiß. Auf den weißen Flügeln befinden sich bei Eulepidotis argyritis große, diagonal verlaufende und leicht abknickende Streifen sowie ein bogenförmig begrenzter Bereich am hinteren Flügelende. Die Hinterflügel sind weiß und haben im hinteren Bereich braune Stellen. Typisch für die Art sind die kleinen Schwänzchen an der Innenseite der Hinterflügel, in deren Nähe sich außerdem je ein schwarzer Fleck befindet, durch den sich eine feine, weiße Linie zieht.

Eulepidotis dominicata

Die in den amerikanischen Tropen beheimatete Falterart Eulepidotis dominicata ist nachtaktiv und lebt in Wäldern. Weil in der Fachliteratur leider kaum Informationen zu dieser Spezies zu finden sind, kann ich die Flügelspannweite nur schätzen. Sie beträgt etwa 20 bis 25 Millimeter. In ihrem Aussehen ähneln Falter der Art Eulepidotis dominicata sehr stark einigen anderen Spezies, vor allem Eulepidotis argyritis sehen sie ähnlich. Kleine Details unterscheiden sie von dieser Art. Bei Eulepidotis dominicata ist die Grundfarbe der Flügel weiß. Auf den Vorderflügeln erstreckt sich je eine breite, diagonale Linie. Sie ist gerade, was für die Art typisch ist. Der hintere Bereich der Vorderflügel ist braun gefärbt, dieses Areal ist zum Weiß hin bogenförmig begrenzt. Der gesamte hintere Saum der Vorderflügel ist braun. Weiß ist auch die Grundfarbe der Hinterflügel. Am in der äußeren hinteren Ecke sind sie braun gefärbt, die innere hintere Ecke ist hellbraun bis orange und dort befindet sich je ein schwarzer Fleck.

Eulepidotis hermura

Von anderen Vertretern ihrer Gattung ist die Falterart Eulepidotis hermura aufgrund ihrer Färbung leicht zu unterscheiden. Ihre Zeichnung weicht von der Grundstruktur ab, die bei einigen Spezies vorkommt. Auf der Oberseite sind die Flügel von Eulepidotis hermura gelblichbraun bis orangebraun gefärbt. Einige braune Flecken, die teils ineinander übergehen, finden sich auf der basisnahen Hälfte der Vorderflügel. Zudem liegt kurz hinter der Mitte der Vorderflügel am Außenrand je ein brauner Fleck. Zwei schmale, parallele braune Streifen sind im hinteren Bereich auf der Innenseite der Hinterflügel zu sehen; die Streifen erstrecken sich etwa bis zur Flügelmitte. Der Saum weist kleine braune Bereiche auf. Die Hinterflügel sind auf der Oberseite ockerfarben bis cremefarben und etwa in der Mitte tragen sie am Rand einen braunen Fleck sowie ein angedeutetes Schwänzchen. Eulepidotis hermura ist nachtaktiv und ich schätze die Flügelspannweite dieser Falter auf rund 20 bis 25 Millimeter.

Eulepidotis perducens

Im tropischen Südamerika sowie auf Jamaika ist Eulepidotis perducens heimisch. Über diese Spezies lässt sich in den Literaturquellen leider kaum eine Information finden. Ich schätze, dass ihre Flügel eine Spannweite von circa 20 bis 25 Millimeter haben. Auf der Oberseite sind beide Flügelpaare weiß gefärbt. Zwei diagonal verlaufende mittelbraune Streifen bedecken die Vorderflügel. Diese Streifen haben zu beiden Seiten einen schmalen, dunkelbraunen Saum. Zum äußeren Flügelrand hin werden die Streifen etwas breiter. Der hintere Saum der Vorderflügel ist mittelbraun, nach innen hin wird dieser Farbbereich durch einen schmalen, dunkelbraunen Streifen von der Grundfarbe abgegrenzt. Mittig haben die Hinterflügel am hinteren Rand je einen braunen Fleck und ein kleines, angedeutetes Schwänzchen. Die äußere Hälfte des hinteren Randes der Hinterflügel ist hellbraun gefärbt und weist einige Querstreifen entlang des Saumes auf. Eulepidotis perducens ist nachtaktiv und lebt in Wäldern.

Eulepidotis rectimargo

Über Mittelamerika sowie über Teile Südamerikas erstreckt sich der Lebensraum von Eulepidotis rectimargo. Die Tiere kommen in Wäldern vor und sie sind nachtaktiv. Weil sich nahezu keine Informationen über diese Falterart in den Online-Literaturangaben finden, kann ich ihre Flügelspannweite nur schätzen. Diese beläuft sich meiner Ansicht nach auf etwa 20 bis 25 Millimeter. Weiß ist die Grundfarbe der Oberseite der Vorderflügel. Ein diagonaler Streifen, der braun gefärbt ist und einen dunklen Saum aufweist, verläuft über die Vorderflügel. Am äußeren Rand ist er ein wenig breiter als am inneren Rand. Den hinteren Bereich der Vorderflügel bedeckt ein brauner Bereich, der zum weißen Teil des Flügels hin nur leicht gebogen begrenzt ist. Der Saum der Hinterflügel ist fast vollständig weiß. Lediglich ein sehr kleiner Teil ganz außen ist braun. An der Basis sind die Hinterflügel auf der Oberseite weiß, zur Mitte hin geht diese Farbe in einen ocker bis orangebraun gefärbten Abschnitt über. Die Farbintensität nimmt zum Flügelrand hin zu. Mittig befindet sich auf den Hinterflügeln am hinteren Rand ein dunkelbrauner Fleck, der einen schwarzen Bereich umschließt. Auch die kleine Schwänzchen an den Hinterflügeln sind schwarz. Bei stark abgeflogenen Individuen kann die Färbung sehr verwaschen wirken und kaum mehr zu erkennen sein.

Hypocrita excellens

Die Falterart Hypocrita excellens ist nachtaktiv. Sie hat eine Flügelspannweite von schätzungsweise 60 Millimeter. Eine exakte Angabe hierzu konnte ich in der Fachliteratur leider nicht finden. Dunkelbraun bis schwarz ist die Grundfärbung der Vorderflügel. Auf ihnen verläuft je ein diagonal angeordneter weißer Streifen. Zudem tragen die Tiere an den beiden Flügelrändern knapp über dem weißen Streifen je einen kleinen roten Fleck, wobei der am hinteren Flügelrand oft sehr klein und unauffällig ist. Die Hinterflügel haben dieselbe Grundfarbe und sind teilweise irisierend blau gefärbt. Außerdem tibt es am oberen Rand je einen kleinen roten Fleck. Hypocrita excellens ist in Venezuela und in Guatemala heimisch.

Letis buteo

Über die Falterart Letis buteo sind in den gängigen Internet-Quellen leider keine Angaben zu finden. Die Tiere scheinen in Wäldern zu leben und ich habe sie stets nur nachts fliegen sehen. Tagsüber ruhen sie zum Beispiel an Baumstämmen oder den Wänden von Gebäuden. Ihre flügelspannweite schätze ich auf etwa neun bis zehn Zentimeter. Auf der Oberseite sind die Flügel braun, grau und weißlich gemustert. Viele Individuen haben einen recht breiten weißen Querstreifen, der über die Vorderflügel verläuft. Er kann aber bei einigen Individuen fehlen. Typisch sind auch schwarze Ringe und D-förmige Muster auf den Vorderflügeln.

Letis scops (Scops Witch)

Ein Bewohner tropischer Nebelwälder in Südamerika ist die Falterart Letis scops. Diese Tiere kommen in Höhenlagen von 400 bis 1.600 Meter vor. Sie sind nachtaktiv und haben eine Flügelspannweite von circa sieben bis acht Zentimeter. Ihre Färbung ist variabel. Auf der Oberseite sind beide Flügelpaare hell bis dunkelbraun gefärbt und sie tragen ein Muster aus helleren und dunkleren Bereichen. Zahlreiche Bögen und Wellen zieren beide Flügelpaare auf der Oberseite. Bei manchen Individuen ist in einigen Bereichen ein Anflug von Blau oder ein zartes Violett zu sehen. Halten sich die Tiere mit ausgebreiteten Flügeln auf einem Baumstamm oder auf steinigem Untergrund auf, sind sie durch ihre Flügelzeichnung sehr gut getarnt.

Melipotis fasciolaris (Fasciolated Melipotis Moth)

In Venezuela kann man die Falterart Melipotis fasciolaris unter anderem in Waldgebieten sehr häufig beobachten. Die Tiere sind nachtaktiv und ihre Flügelspannweite beträgt 33 bis 43 Millimeter. Braun ist die Grundfärbung der Oberseite der Vorderflügel. Bei den Männchen verläuft ein weißliches bis gelbliches diagonales Band auf dem braunen Untergrund. Dagegen ist der in der Nähe der Flügelbasis liegende Bereich bei den Weibchen einfarbig graun bis gelblich gefärbt und insgesamt recht hell. Die Hinterflügel sind auf der Oberseite dunkel und haben an der Basis einen weißen Abschnitt. Am äußeren Rand befindet sich ein weißer Bereich. Tagsüber können sich die Falter gut auf ihre Tarnung verlassen: Wenn sie auf welken Blättern sitzen und sich nicht bewegen, fallen sie kaum auf. Ein weiterer englischer Name dieser Falterart lautet Bewitching Melipotis.

Melipotis perpendicularis

Das Verbreitungsgebiet der Falterart Melipotis perpendicularis ist sehr groß. Es reicht vom Süden der USA über Zentralamerika bis ins nördliche Südamerika. Etwa zwischen 33 und 43 Millimeter beträgt die Flügelspannweite dieser Insekten. Sie sind während der Nacht aktiv und werden von Kunstlicht angezogen. Ihre Zeichnung auf den Vorderflügeln ist sehr variabel, wie die Bildersammlung der North American Moth Photographer Group der Mississippi State University (siehe Link) zeigt. Zudem unterscheiden sich Männchen und Weibchen in ihrem Aussehen. Bei den Weibchen dominieren meist hellere Bereiche, wohingegen ihre männlichen Artgenossen auf den Vorderflügeln oft insgesamt eher dunkel bräunlich gefärbt sind. Die Hinterflügel sind von der Basis bis zur Mitte weißlich, der Rest ist bräunlich gefärbt. An den Hinterflügeln tragen diese Tiere zudem einen weißen Saum.

Sosxetra grata (Walker’s Moth)

Aufgrund ihrer langen, feinen und dadurch recht flauschig wirkenden Behaarung an den Beinen sind die Falter der Art Sosxetra grata sehr auffällig. Bräunlich ist die Grundfärbung der Flügel. Auf dieser Grundfarbe befindet sich ein lebhaftes Muster aus weißen, mitelbraunen und purpurnen Flecken sowie Bögen. Am hinteren Rand befindet sich an beiden Flügelpaaren auf der Oberseite ein gelber Saum. Typisch sind außerdem zwei kleine, leicht oval geformte weiße Flecken im mittleren äußere Bereich der Vorderflügel. Sosxetra grata ist nachtaktiv und kommt unter anderem in Waldgebieten vor. Weitere Details sind mir über diese Falterart leider nicht bekannt. Ihre Flügelspannweite schätze ich auf circa 30 bis 35 Millimeter. ein alternativer wissenschaftlicher Name dieser Spezies lautet Ceroctena grata.

Thysania zenobia

Mit ihrer Flügelspannweite von zehn bis 15 Zentimeter ist die Falterart Thysania zenobia sehr groß. Diese Tiere sind nachtaktiv und sie haben ein riesiges Verbreitungsgebiet. Es erstreckt sich über die südlichen USA und Zentralamerika bis über weite Teile Südamerikas. Auf der Oberseite sind beide Flügelpaare grau gefärbt und tragen auffällige Zackenmuster in verschiedenen Grauschattierungen. Darüber hinaus verlaufen bei den Männchen einige dunkelgraue bis schwarze Querbalken über die Flügel, die bei den Weibchen fehlen. Bei beiden Geschlechtern finden sich einige hellgraue bis weißliche Bereiche auf den Flügeln.