Mit relativ vielen Arten ist die Familie der Entenvögel an der deutschen Nordseeküste und damit in der Gegend in und um Greetsiel vertreten. Insbesondere während des Winterhalbjahrs halten sich dort tausende überwinternde arktische Gänse auf. Während des Sommers lassen sich auf den Gewässern im Hinterland zahlreiche an Süßwasser gebundene Entenvogelspezies antreffen. Bislang konnte ich mehrere Arten aus dieser Vogelfamilie in und um Greetsiel sichten, sie werden in diesem Kapitel vorgestellt.

Blässgans (White-fronted Goose, Anser albifrons)

Blässgänse brüten in den nördlichen Tundren, sie verbringen das warme Halbjahr in dem großen Gebiet zwischen der nordrussischen Kanin-Halbinsel bis zum Katanka-Fluss auf der Taimyr-Halbinsel. Bis zu 76 Zentimeter kann die Körpergröße dieser Vogelart betragen. Nahezu am gesamten Körper sind Blässgänse in unterschiedlichen Schattierungen braun gefärbt. Typisch für diese Spezies sind die unregelmäßig geformten, schwarzen Querstreifen, die sich am Bauch befinden. An der Basis des Schnabels sowie an der Stirn sind die Federn weiß, dieser farbliche Bereich erstreckt sich jedoch nicht bis zu den Augen. Anhand dieses Details lassen sich die Tiere von Zwerggänsen unterscheiden. Kräftig orange sind die Beine und Füße gefärbt, der Schnabel ist fleischfarben, rosa oder orange. Den Winter verbringen Blässgänse beispielsweise an den Küsten Ostfrieslands. Einige Literaturquellen bezeichnen diese Spezies auch als Blessgans.

Brandgans (Common Shelduck, Tadorna tadorna)

Der Name dieser Vogelart ist ein wenig irreführend, denn Brandgänse sind keine Gänse im eigentlichen Sinne. Deshalb tragen sie auch den alternativen Namen Brandente. Ihre Körperlänge beträgt bis zu 65 Zentimeter. Während des Winterhalbjahres ist das Aussehen der beiden Geschlechter recht ähnlich. Zur Fortpflanzungszeit tragen die Männchen ihr Prachtkleid, das ein wenig kontrastreicher ist als das Federkleid der Weibchen. Dann sind der Kopf und der vordere Hals des Männchens glänzend schwarz-grün gefärbt. Auf beiden Seiten des Körpers erstreckt sich von den Schultern aus je ein schwarzgrünes Längsband. Auf der Brust tragen die Vögel ein rötlichbräunliches Band. Der Schnabel ist kräftig rot gefärbt, Männchen haben zudem einen deutlich sichtbaren Schnabelhöcker. Im Schlichtkleid ist das Gefieder weniger kontrastreich gefärbt. Brandgänse halten sich gern im Watt auf. Sie ernähren sich von tierischer Kost wie Schnecken, Muscheln, Würmern und Insekten. Auch Wasserpflanzen verschmähen sie nicht.

Graugans (Greylag Goose, Anser anser)

Graugänse sind in Deutschland weit verbreitet, sie gehören nicht nur hierzulande, sondern in ganz in Europa zu den häufigsten Wasservögeln. Zwischen 75 und 90 Zentimeter kann die Körperlänge dieser Vögel betragen. Am Kopf und Hals sowie im Nacken sind die Federn braungrau gefärbt, die Flügel sind dunkelgrau. Brust und Bauch sind hell graubraun, der hintere Bereich des Bauches ist weiß. Auch einige Abschnitte des Schwanzes sind weiß gefärbt, der Rest des Schwanzes ist dunkelbraun. An den Flanken tragen Graugänse ein dunkles Streifenmuster, am langen Hals ist ebenfalls ein solches Muster vorhanden. Auf den Flügeln befinden sich einige helle Streifen. Der klobige Schnabel ist rotorange gefärbt, die Beine und Füße sind ebenfalls rotorange. Graugänse halten sich meist in größeren Gruppen – oft in Gesellschaft anderer Gänsearten – auf weitläufigen Wiesen und abgeernteten Äckern auf, wo sie gemeinsam nach Nahrung suchen. Sie ernähren sich von pflanzlicher Kost. Viele Graugänse brüten in Deutschland und ziehen im Winter in den Süden. Aus nördlicheren Regionen kommen ziehende Graugänse nach Mitteleuropa, sodass man diese Vögel das ganze Jahr über in Deutschland beobachten kann.

Krickente (Green-winged Teal, Anas crecca)

Die Krickente ist eine der kleinsten Entenarten, die in Deutschland vorkommen. Nur circa 35 bis 36 Zentimeter können diese Vögel groß werden. Wie es auch bei vielen anderen Entenarten der Fall ist, unterscheiden sich die beiden Geschlechter in ihrem Aussehen. Die Weibchen weisen ein schlichtes Äußeres auf. Auf der Oberseite ist das Gefieder braun gefleckt, die helle Körperunterseite zieren im Brustbereich einige dunkle Flecken. An den Flügeln tragen die Weibchen je eine grüne Binde. Männchen haben im Prachtkleid am Kopf kastanienbraune Federn, auf beiden Seiten verläuft von den Augen bis in den Nacken ein grüner Gefiederbereich. Die Oberseite des Körpers ist bei den Männchen braun gefärbt und trägt ein dunkles Fleckenmuster, die Unterseite ist hell mit einige Flecken an der Brust. Während der Mauser verlieren die Männchen ihr Prachtgefieder, anschließend sehen sie nahezu genauso aus wie die Weibchen. Auf dem Speisezettel der Krickenten stehen vor allem Pflanzenteile, sie fressen außerdem Wirbellose.

Löffelente (Northern Shoveller, Spatula clypeata)

Bis zu 50 Zentimeter können Löffelenten lang werden. Ihr Schnabel macht sie unverwechselbar: Er ist lang und löffelartig geformt; bei den Weibchen ist er bräunlich-orange, bei den Männchen schwarz. Auch das Gefieder ist bei den beiden Geschlechtern unterschiedlich. Im Prachtkleid haben die Männchen dunkelgrüne Federn am Kopf, zu denen die gelbe Iris in starkem Kontrast steht. Flanken und Bauch sind rostbraun und die Unterflügeldecken weiß gefärbt. Weibliche Löffelenten haben ein überwiegend braun gefärbtes Gefieder. Im Schlicht- oder Ruhekleid sehen die Männchen den Weichen sehr ähnlich. Kleine Wasserinsekten wie Wasserflöhe, Insektenlarven, Würmer, Froschlaich und Kaulquappen bilden die Nahrung dieser Wasservögel. An der Nordseeküste sind diese Vögel das gesamte Jahr über heimisch. Früher wurde diese Vogelart wissenschaftlich als Anas clypeata bezeichnet.

Pfeifente (Eurasian Wigeon, Mareca penelope)

Das Brutgebiet der Pfeifenten ist groß, es reicht von Island bis zur Beringstraße. In Deutschland ist diese Vogelart nur während des Winterhalbjahres anzutreffen, weil die Tiere vor der Kälte in den hohen nördlichen Breiten fliehen und beispielsweise an der Nordseeküste überwintern. Ihre Körperlänge beträgt 41 bis 51 Zentimeter. Die beiden Geschlechter sehen unterschiedlich aus. Männchen haben im Prachtkleid einen rotbraunen Kopf und an der Stirn befindet eine weißliche Blässe. Graurosa ist die Brust gefärbt, die Körperoberseite trägt blassgraue Federn; die Unterseite ist cremefarben. Das gesamte Jahr über sind die Weibchen auf der Körperoberseite unauffällig bräunlich gefärbt, ihr Bauch ist cremeweiß. Am Kopf und am Hals ist ihr Gefieder rötlichbraun. Während sie ihr Schlichtkleid tragen, ähneln die Männchen den Weibchen sehr. Sie sind jedoch anhand des Schnabels von ihnen zu unterscheiden: Der Schnabel der Männchen ist blaugrau gefärbt, die Spitze ist schwarz. Dieses Merkmal fehlt bei den Weibchen. Früher wurde diese Vogelart wissenschaftlich als Anas penelope bezeichnet.

Reiherente (Tufted Duck, Aythya fuligula)

Fließgewässer und Seen sind typische Orte, an denen Reiherenten leben. Diese Vögel erreichen eine Körpergröße von bis zu 47 Zentimeter. Männchen und Weibchen unterscheiden sich bei dieser Entenart in ihrem Aussehen. Im Prachtkleid tragen männliche Individuen am Kopf schimmernd dunkelviolett gefärbte Federn. Hierzu stehen die gelben Augen in starkem Kontrast. Außerdem ist ihr verlängerter Federschopf ein sicheres Erkennungsmerkmal. Die Federn am Rücken und an den Flügeln sind bei den Männchen bräunlichgrau gefärbt, die Unterseite des Körpers trägt weiße Federn und der Schnabel ist hellgrau mit schwarzer Spitze. Erheblich unauffälliger sehen die Weibchen aus. Ihr Gefieder ist insbesondere an den Flanken deutlich dunkler gefärbt als das der Männchen. Insgesamt ist ihr Federkleid bräunlich. Muscheln und Schnecken sowie andere Kleintiere, Insekten und pflanzliche Kost bilden die Nahrung der Reiherenten.

Schnatterente (Gadwall, Mareca strepera)

Bis zu 55 Zentimeter sind Schnatterenten groß. Das Aussehen der Tiere ist von den Jahreszeiten abhängig. Während die Männchen ihr Prachtgefieder tragen, ist ihr Schnabel schwarz und das Gefieder ist fein grau und braun gezeichnet. Ihr Kopf ist hellbraun mit rotbrauner Fleckung und bei genauer Betrachtung ist eine feine, streifenförmige Zeichnung zu erkennen. Dunkelgrau sind der vordere Brustbereich sowie der obere Rücken, die Schultern und die Flanken gefärbt. Am Rücken haben die Männchen im Prachtkleid mittelbraune Federn mit hellen Flecken. Im Schlichtkleid sehen sich die beiden Geschlechter recht ähnlich. Sie sind dann am gesamten Körper bräunlich gefärbt. Es besteht Verwechslungsgefahr mit Stockenten, was vor allem für die weibliche Schnatterenten gilt. Sie lassen sich von den Weibchen der anderen Art am orangegelb gefärbten Schnabel und am weißen Gefiederbereich an Kinn und Kehle unterscheiden. Bei beiden Geschlechtern sind die Füße der Schnatterenten gelborange gefärbt und die Augen sind schwarz. Beobachten lassen sich diese Vögel an flachen Seen und Teichen. Sie fressen vor allem Wasserpflanzen, aber auch Wasserinsekten, Weichtiere, Würmer, Käfern und kleine Fische. In den meisten Teilen Deutschlands brüten Schnatterenten nicht, doch das Küstenhinterland der Nordsee gehört zu den Brutarealen. Deshalb sind diese Vögel an der Nordsee nahezu das gesamte Jahr über zu beobachten. Lediglich im Winter sind sie nicht dort, sondern in Südeuropa. Früher wurde diese Entenart wissenschaftlich als Anas strepera bezeichnet.

Spießente (Northern Pintail, Anas acuta)

Das Brutgebiet der Spießenten liegt in den nördlichen Bereichen Eurasiens und in Nordamerika. Nur selten kann man diese Tiere in Mittel- und Südeuropa beobachten, meist handelt es sich um Durchzügler oder Wintergäste. Spießenten erreichen eine Körpergröße von 62 Zentimeter. Dabei sind die verlängerten, spießförmigen Schwanzfedern nicht berücksichtigt. Männchen tragen im Prachtkleid am Kopf und an der Kehle dunkelbraunes Gefieder, der Hals und der Nacken sind weiß und der restliche Körper ist bräunlich-grau in unterschiedlichen Farbschattierungen. Weibliche Spießenten erinnern in ihrem äußeren Erscheinungsbild an andere weibliche Enten, sie sind schlicht bräunlich gefärbt. Bei beiden Geschlechtern der Spießente ist der Kopf im Winter etwas dunkler gefärbt als während des Sommerhalbjahres und insbesondere die Männchen sind insgesamt deutlich kontrastärmer gefärbt. Wasserpflanzen bilden die Hauptnahrung dieser Wasservögel.

Weißwangengans (Barnacle Goose, Branta leucopsis)

Weißwangengänse brüten im hohen Norden, den Winter können sie dort aufgrund der Schneemassen und des Nahrungsmangels nicht verbringen. Sie ziehen deshalb in wärmere Gegenden und überwintern beispielsweise an der deutschen Nordseeküste. Dort schließen sich die Tiere zu großen Schwärmen zusammen, die tausende Individuen umfassen können. Weil die Vögel sehr ruffreudig sind, geht es in den Gruppen immer recht laut zu. Zwischen 58 und 69 Zentimeter sind Weißwangengänse groß. Ihr Gesicht ist weiß gefärbt. Die Krone, der Nacken und der Hals sind schwarz. Schwarz-weiß gebändert ist die Oberseite der Flügel, die Körperunterseite ist silbrig weiß gefärbt. Der Schnabel und die Beine sowie die Füße sind schwarz. Diese Vogelart wird auch als Nonnengans bezeichnet. Im Winterhalbjahr fressen die Vögel vor allem Gras und einige andere Pflanzen, im Frühling ergänzen Knospen diese Kost. Darüber hinaus fressen sie dann auch Wasserinsekten, Mollusken und kleine Krebstiere. Während des Sommers bereichern Moose und Flechten der Polarregionen ihren Speiseplan.